Vor einigen Jahren hörte ich, dass laut Statistik in unserem Land jede zweite Ehe scheitert. Das kann doch nicht sein – dachte ich damals. Heute verstehe ich, dass das noch nicht einmal die pessimistischste Prognose ist. Warum ist das so?
Schließlich sind doch alle Voraussetzungen für die richtige Wahl des Lebenspartners geschaffen. Sex vor der Ehe – bitte sehr, ein paar Jahre zusammenleben ohne Trauschein – auf die Gesundheit, sogar offene Beziehungen überraschen heute niemanden mehr. Und trotzdem gibt es genauso viele Scheidungen.
Fördert das Zusammenleben vor der Ehe die Beziehung oder zerstört es im Gegenteil die Aussichten auf eine glückliche gemeinsame Zukunft? Natürlich ist diese Frage für Paare, die grundsätzlich gegen eine offizielle Bindung sind, völlig irrelevant. Allerdings gibt es hier ein Aber: Das betrifft nur Paare, bei denen beide Partner diese Meinung teilen, und nicht den Fall, dass einer dagegen ist und der andere hofft, dass sich dieser mit der Zeit eines Besseren besinnt. Solche Beziehungen führen mit hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin nie zu einer Ehe.
Gibt es wirklich einen Unterschied zwischen dem Zusammenleben mit und ohne Trauschein? Tatsächlich gibt es bei Paaren, die gleichermaßen bereit sind, nicht nur die Rechte, sondern auch die Pflichten zu übernehmen, keinerlei Unterschied. Doch leider – ach, wie schade – sind nicht alle Paare so. Die meisten betrachten das Zusammenleben zunächst als eine Art Rollenspiel, bei dem jeder versucht, seine Rolle möglichst perfekt zu spielen, denn davon hängt schließlich die gemeinsame Zukunft ab. Dabei denken sie überhaupt nicht daran, dass dieses vorbildliche Spiel in „Vater-Mutter-Kind“ sehr schnell langweilig wird. Leider ist es meist die Frau, die es irgendwann satt hat, denn sie versucht anfangs meist, mehr zu geben. Wichtig ist nicht, sich besser darzustellen, sondern wirklich besser zu werden. In solchen Fällen hört man dann oft den Satz: „Nach der Hochzeit hat sie sich völlig verändert, sie ist eine andere geworden.“ Nein, sie ist endlich sie selbst geworden.



